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Daniela Mulle

Diätologin & Ernährungswissenschafterin

Reizdarm: Symptome, Ursache, Diagnose, Behandlung
© Hailey Kean

Reizdarm: Symptome, Ursache, Diagnose, Behandlung

Ein nervöser oder gereizter Darm macht dir das Leben schwer? Bauchschmerzen, starke Blähungen, Durchfall oder Verstopfung plagen dich? Damit bist du nicht allein: Reizdarm ist aktuell eine der häufigsten Diagnosen des Magen-Darm-Takts hierzulande. Er ist grundsätzlich nicht gefährlich. Trotzdem ist ein normales Leben fast unmöglich, z.B. wenn man das Haus gar nicht mehr verlässt - vor Schmerzen oder aus Angst, das nächste Essen wieder nicht zu vertragen.

Ich möchte ich dir hier einen Komplett-Überblick über das Reizdarmsyndrom geben:

  1. Was ist ein Reizdarm/Reizdarmsyndrom?
  2. Reizdarm-Symptome
  3. Reizdarm-Diagnose
  4. Reizdarm-Ursachen
  5. Reizdarm-Behandlung
  6. Reizdarm-ExpertInnen

Was ist ein Reizdarm bzw. das Reizdarmsyndrom?

Darm und Gehirn tauschen sich ständig miteinander aus. Dadurch beeinflussen sie sich gegenseitig. Beim Reizdarmsyndrom ist dieses Zusammenspiel verändert bzw. gestört. Das führt zu Beschwerden, die meistens vom Dickdarm ausgehen: Bauchschmerzen, Durchfall, Verstopfung, starke Blähungen, Blähbauch, Sodbrennen. Wie häufig Reizdarm ist, lässt sich schwer sagen, weil leider nicht immer einheitliche Diagnosekriterien verwendet werden. Laut einer aktuellen Analyse (Oka et al, 2020) haben vermutlich vier bis neun Prozent der Menschen weltweit ein Reizdarmsyndrom. Dabei trifft es deutlich mehr Frauen als Männer.

In diesem kurzen Video habe ich die wichtigsten Fakten zum Reizdarmsyndrom für dich zusammengefasst:

Reizdarm-Symptome

Die häufigsten Reizdarm-Beschwerden sind:

  • Durchfall
  • Blähungen
  • Schmerzen
  • Verstopfung
  • stinkende Blähungen
  • Blähbauch
  • Sodbrennen

Es kann sein, dass dich auch anderen Begleiterscheinungen plagen wie beispielsweise Rückenschmerzen, Gewichtsverlust und auch Gewichtszunahme.

Folgende Beschwerden bitte nicht auf die leichte Schulter nehmen, sondern möglichst rasch einen Termin beim Gastroenterologen vereinbaren:

  • Fieber
  • wiederholtes Erbrechen
  • Blut im Stuhl
  • Blutarmut/Anämie im Blutbefund
  • nachts Aufstehen wegen Durchfall oder Stuhldrang
  • ungewollter Verlust von 6-15 Prozent deines Gewichts in den letzten drei Monaten

Wie wird Reizdarm diagnostiziert?

Es gibt leider nicht eine einzige Untersuchung, die ein Reizdarmsyndrom sicher nachweist.

Reizdarm ist eine sogenannte Ausschlussdiagnose:

Dein Facharzt/-ärztin für Gastroenterologie überprüft zuerst systematisch, ob bestimmte Erkrankungen für deine Beschwerden verantwortlich sind. Er/sie diagnostiziert nach den aktuellen Rome-IV-Diagnosekriterien erst dann ein Reizdarmsynrom, wenn:

  1. Er/sie andere Erkrankungen bei dir ausschliessen konnte.
  2. Du aber in den letzten 3 Monaten ca. 1 x pro Woche Bauchschmerzen kombiniert mit mindestens zwei der folgenden Punkte hattest:
  • Schmerzen beim Stuhlgang bzw. Erleichterung durch die Stuhlentleerung.
  • Schmerzen verbunden mit Änderung der Stuhlhäufigkeit.
  • Schmerzen verbunden mit Veränderung der Stuhlform, z.B. weicher/härter.

Je nach den Beschwerden, die dich hauptsächlich plagen wirst du einem Reizdarm-Typ zugeordnet:

  • Verstopfungstyp: RDS-O (Obstipation/Verstopfung)
  • Durchfalltyp: RDS-D (Diarrhoe/Durchfall)
  • Mischtyp mit abwechselnd Verstopfung und Durchfall: RDS-M (Mix)
  • keine der oben genannten Beschwerden: RDS-U (unklassifiziert)

In diesem Video erkläre ich dir, wann dein Stuhl normal ist, und ab wann du medizinisch gesehen an Verstopfung oder Durchfall leidest:

Hier kannst du dir die im Video besprochene Bristol-Stuhlformen-Skala anschauen.

Wie kommt es zu deinem Reizdarm?

Die Ursachen des Reizdarmsyndroms sind nicht genau geklärt. Wichtig ist aber eines:

Beim Reizdarmsyndrom ist der Darm nicht “krank”, er funktioniert nur anders als normalerweise.

Dein Darm ist ein Muskelschlauch, der sich wellenförmig zusammenzieht und entspannt, ohne dass du irgendetwas tun musst. So wird dein Essen und Trinken in deinem Verdauungssystem von oben nach unten weitergeschoben. Beim Reizdarmsyndrom verändert sich diese Bewegung oft:

Die Darmbewegung wird schneller

Wenn sich deine Darmmuskeln schneller zusammenziehen und entspannen, wird das was du gegessen hast flotter durch dein Verdauungssystem transportiert. Was dann passieren kann sind plötzlicher Stuhldrang oder Durchfall.

Die Darmbewegung wird langsamer

Wenn die wellenförmige Bewegung nachlässt, wird deine Nahrung nur langsam weitertransportiert. Oft kommt es dadurch zu Verstopfung aber auch zu Blähbauch, Aufstoßen und Sodbrennen: Harter Stuhl blockiert den Weg nach draußen, Luft und Gase können nicht als Pupse entweichen, und bleiben im Bauch gefangen (Blähungen und Blähbauch) oder nützen den Ausweg über den Magen (Aufstoßen und Sodbrennen).

Weitere mögliche Gründe für deinen Reizdarm:

  • Du spürst Druck und Schmerzen in deinem Verdauungssystem stärker als normal.
  • Es gibt ein Ungleichgewicht in deinem Dickdarmbakterienzoo.
  • Du hast Bakterien im Dünndarm, die dort in so großen Mengen nichts verloren haben (SIBO).
  • Deine Darmschleimhaut lässt viel mehr Stoffe durch als sie sollte (Leaky-Gut-Syndrom).
  • Deine Darmschleimhaut ist leicht entzündet.

Wie kannst du deinen Reizdarm behandeln?

Du kannst deinen Reizdarm zwar nicht heilen, ihn aber trotzdem gut in den Griff kriegen. Dazu kannst du an diesen drei Bereichen ansetzen:

  • Dein Lebensstil
  • Deine Ernährung
  • Medizinische Behandlungen

In diesem Artikel habe ich dir alle Detail-Infos inklusive jeder Menge Tipps zu allen drei Bereichen zusammengefasst.

1. Bereich: Lebensstil

Hier geht es um deine Gewohnheiten und täglichen Aktivitäten, inklusive deinem Schlaf, Bewegung, Hobbies, Familie und deine Arbeit. Von einigen Faktoren weiß man aus wissenschaftlichen Arbeiten, dass sie klar zu Reizdarm-Beschwerden beitragen, und sie verschlechtern können:

  • Stress und Angst
  • Zuviel oder zu wenig Bewegung
  • Rauchen
  • Schlechter Schlaf
  • Unregelmäßiges Essverhalten

2. Bereich: Ernährung

Studien haben gezeigt, dass etwa 90 Prozent der Menschen mit Reizdarmsyndrom berichten, dass Essen und Trinken ihre Beschwerden auslösen oder verschlimmern. Zwei Drittel der Reizdarm-Betroffenen hilft es, in ihrem täglichen Essen und Trinken nach Triggern zu suchen, und ihre Ernährung dann entsprechend anpassen.

Es geht also darum, für dich persönlich herauszufinden:

  1. Was in deinem täglichen Essen und Trinken deine Beschwerden triggert.
  2. An welchen “Ernährungsschräubchen” du drehen kannst, damit es dir besser geht.

Wie du das genau machst erfährst du hier.

3. Bereich: Medizinische Behandlungen

Vielleicht hat dir dein behandelnder Arzt Medikamente verschrieben. Diese Arzneimittel sollen dir helfen, deine Beschwerden zu kontrollieren, denn Reizdarm zu heilen ist aktuell leider nicht möglich. Sprich unbedingt mit deinem Arzt, wenn sich deine Symptome irgendwie verändern: Es kann immer wieder nötig sein, deine Medikamente oder die Dosis anzupassen. Hier findest du genauere Infos zu diesem Thema.

Hole dir Hilfe von ExpertInnen!

Wenn du mit deinem Reizdarm nicht monate-, vielleicht sogar jahrelang alleine herumschlagen willst, dann hole dir unbedingt kompetente Unterstützung.

Ernährung

Ich weiß von meiner jahrelangen Arbeit, dass du dir dadurch unglaublich viel Frust und Leid ersparen kannst. Vereinbare dir gerne deinen Wunschtermin, und lass’ uns dein Essen und Trinken unter die Lupe nehmen und deine Trigger finden.

Psyche

Es gibt eine wissenschaftlich anerkannte Verbindung zwischen Darm und Gehirn, die Darm-Gehirn-Achse. Deswegen spielt die Psyche bei Reizdarm eine große Rolle, die aber oft unterschätzt wird. Vielleicht macht es für dich Sinn, dir hier Unterstützung von spezialisierten Therapeuten (Psychologen, Psychotherapeuten, Ärzten) zu holen. Psychologische Therapiemöglichkeiten sind beispielsweise

  • Bauchhypnose
  • Stressmanagement
  • Kognitive Verhaltenstherapie
  • Darmtraining

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