Mikrobiomanalyse: Wie sinnvoll ist ein Darmflora-Test wirklich?

Mikrobiomanalyse: Wie sinnvoll ist ein Darmflora-Test wirklich?
© Elena Nechaeva von Getty Images

Mikrobiomanalysen werden immer häufiger angeboten. Eine Stuhlprobe einschicken und anschließend erfahren, welche Bakterien im Darm leben, welche davon fehlen und was man essen oder einnehmen sollte, um das eigene Mikrobiom zu verbessern – das klingt besonders bei länger anhaltenden Bauchbeschwerden verlockend.

Doch wie aussagekräftig sind solche Mikrobiomtests tatsächlich?

Was sagt eine Mikrobiomanalyse über Deinen Darm aus?

Unser Darmmikrobiom besteht aus unzähligen Mikroorganismen und ist bei jedem Menschen anders zusammengesetzt. Zudem kann es sich durch Ernährung, Lebensstil, Medikamente und viele weitere Faktoren verändern.

Eine Mikrobiomanalyse zeigt deshalb immer nur eine Momentaufnahme. Gleichzeitig fehlen für viele untersuchte Darmbakterien allgemein gültige Referenzwerte.

Ein Bakterium, das laut Befund zu häufig oder zu selten vorkommt, bedeutet daher nicht automatisch, dass mit Deinem Darm etwas „nicht stimmt“. Auch konkrete Ursachen für Beschwerden lassen sich daraus meist nicht ableiten.

Vorsicht bei Empfehlungen für Probiotika & Co.

Besonders kritisch solltest Du Empfehlungen betrachten, die direkt aus einem Mikrobiomtest abgeleitet werden. Häufig werden passend zum Befund Probiotika, Präbiotika oder Nahrungsergänzungsmittel empfohlen.

Doch aus einzelnen Bakterienwerten lässt sich nicht automatisch ableiten, welches Präparat Du tatsächlich brauchst oder welche Lebensmittel Du meiden solltest.

Gerade wenn Du bereits viele Lebensmittel weglässt, können weitere Einschränkungen sogar kontraproduktiv sein.

Welche Stuhltests können sinnvoll sein?

Das bedeutet nicht, dass Stuhluntersuchungen grundsätzlich unnötig sind. Bei bestimmten Beschwerden können medizinisch etablierte Parameter durchaus wichtige Hinweise liefern.

Dazu zählen beispielsweise Calprotectin, Pankreas-Elastase, Gallensäuren oder weitere Verdauungsparameter.

Welche Untersuchungen sinnvoll sind, hängt jedoch immer von Deinen individuellen Beschwerden und Deiner Krankengeschichte ab. Eine ausführliche Anamnese ist deshalb wesentlich wichtiger als ein einzelner Mikrobiombefund.

Was kannst Du stattdessen für Deine Darmgesundheit tun?

Die Antwort ist weniger spektakulär als ein aufwendiger Darmtest, dafür im Alltag wesentlich hilfreicher: abwechslungsreich und bunt essen, gut kauen und Ballaststoffe langsam steigern.

Vor allem pflanzliche Vielfalt kann dabei helfen, unterschiedliche Darmbewohner mit „Futter“ zu versorgen.

Wenn Du aufgrund Deiner Beschwerden bereits sehr eingeschränkt isst oder unsicher bist, welche Lebensmittel Du verträgst, kann eine individuelle ernährungstherapeutische Begleitung sinnvoll sein.

Denn Dein Mikrobiom ist so individuell wie Du – und für einen gesunden Darm gibt es keinen Quick-Fix.

Noch mehr über Mikrobiomanalysen erfahren?

In der aktuellen Folge der Bauchdetektivgeschichten ist erneut Dr. Birgit Dinnewitzer zu Gast. Wir sprechen darüber, was Mikrobiomanalysen tatsächlich zeigen können, wo ihre Grenzen liegen und welche Stuhluntersuchungen bei Bauchbeschwerden wirklich sinnvoll sein können.

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